Crowdsourcing ist untrennbar mit den Chancen des Web 2.0 verbunden und ist einer der Gründe warum soziale Netzwerke für Unternehmen ein riesiges Potenzial darstellen. Crowdsourcing ist ein relativ junger Begriff eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition gibt es noch nicht. Unter Crowdsourcing versteht man gemeinhin die Nutzung von Menschenmassen und hier speziell im Internet und sozialen Netzwerken für Feedback, Ideensammlung oder Designvorschlägen zu Produkten, Marken oder Unternehmen. Das Web 2.0 bietet hier die Chancen KundInnen oder Interessierte zu Produkten oder Ideen eines Unternehmens zu befragen, oder sogar Unternehmensaufgaben wie Innovationsentwicklung an die breite Masse auszulagern. Beispiele hierfür gibt es genug, bei denen Crowdsourcing bereits erfolgreich betrieben wird und es einen Mehrwert für das Unternehmen und gutes Feedback der Online Community gibt.
Beispiele von erfolgreichem Crowdsourcing
Viele Unternehmen nutzen bereits die Chancen des Crowdsourcing und lassen KundInnen und Interessierte im Internet darüber diskutieren welche Schokoladensorte etwa neu eingeführt werden sollte, welche Düfte in der Duschgel-Reihe noch fehlen oder welche technischen Leistungen einer Automarke verbessert werden müssten. Der Schokolade Hersteller Rittersport hat zum Beispiel ein erfolgreiches Crowdsourcing-Projekt unter dem Titel „Blog-Schokolade“ durchgeführt. User konnten Online Vorschläge für neue Sorten, den besten Vorschlag bestimmen und diese Schokoladesort wurde dann produziert. Die gewählte Sorte „Cookies and Cream“ wurde über Online und spezielle Vertriebskanäle zum Verkauf angeboten und war nach 3 Monaten restlos ausverkauft. Nach einer Umfrage von Rittersport war die Aktion ein voller Erfolg. 67 Prozent der befragten User fanden die neue Sorte „super lecker“ und 95 Prozent der Befragten fanden die Aktion sehr gut und befürworteten ähnliche Aktionen in der Zukunft durchzuführen. Rittersport hat auf seiner Facebook Seite mittlerweile fast 60.000 Fans.
Ein weiteres Beispiel für eine Art von erfolgreichem Crowdsourcing ist die auf den künstlerischen Bereich bezogene Seite Kickstarters. Unter dem Motto „Fund and Follow Creativity“ ist es eine Plattform, bei der User Projekte aus dem künstlerischen Bereich mit kleinen oder großen Spenden finanziell unterstützen und damit ermöglichen können. Die oftmals schwierige Aufgabe der Finanzierung von Kunstprojekten wie etwa eine Konzertreihe, CD-Produktion, Romanveröffentlichung u.s.w. wird hier von anderen Usern unterstützt, die bei egal welcher Spende auch einen Rabatt oder irgendeinen Anreiz bekommen. Laut eigenen Angaben lukriert Kickstarters bereits 1 Million Finanzierungsversprechungen („pledges“) pro Woche.
Auch in Österreich gibt es ähnliche Projekte die Online Spenden für Projekte sammeln. Ein Beispiel ist etwa die Plattform respekt.net, die Initiativen der Zivilgesellschaft vorstellt und eine Unterstützungsmöglichkeit bietet. Hier werden Projekte mit gesellschaftspolitischem Ansatz gefördert und es konnten bereits über 150 000 Euro lukriert, und einige Projekte damit umgesetzt werden.
Optionen des Crowdsourcing: vom Ideenwettbewerb zum Crowdfunding
Es gibt mehrere unterschiedliche Formen der Massenmobilisierung im Internet, die alle unter dem Überbegriff Crowdsourcing zusammengefasst werden. Darunter fällt zum Beispiel der Ideenwettbewerb, bei dem User Ideen zu einem Thema oder Produkt liefern können und das beste Ergebnis prämiert und meist auch umgesetzt wird. Ein Beispiel dafür ist die bereits beschriebenen Aktion von Rittersport. Auch ein Begriff unter den Aktionen fallen ist die „Mass Costumization“, in der Massenproduktion mit Einzelbestellungen und individueller Anpassung verbunden wird. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen mymuesli.com, wo KundInnen online ihr Bio-Müsli mit gewünschten Bestandteilen zusammenstellen und sich liefern lassen können. Eine weitere Kategorie ist die „Open Innovation“, bei der Unternehmen die Community nutzen um neue Ideen, Einsparpotenziale oder Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Außerdem gibt es noch die Kategorie des Crowdfunding bei der User Projekte unterstützen oder finanzieren, wie bei den bereits beschriebenen Projekten wie kickstarters.com oder respekt.net.
Kritik zum Hipe um das Crowdsourcing
Auch wenn Crowdsourcing bereits als die neue Form der Partizipation von einer breiten Öffentlichkeit gefeiert wird, gibt es auch vermehrt Kritik an der Nutzung von Crowdsourcing. Neben den Möglichkeiten der Einflussnahme auf Entscheidungen der Lieblingsfirma oder Marke, werden Nutzer beim Crowdfunding zu kostenlosen Arbeitskräften, so die am häufigsten geäußerte Kritik. Wenn eine Firma ihre KundInnen Verpackungsdesign, Geschmacksrichtungen oder Problemlösungen entwickeln lässt, so werden hier Unternehmensbereiche schlicht ausgelagert und dies geschieht meist kostenlos. Weiters wird kritisiert, dass durch die Auslagerung dieser Unternehmensbereiche auch Arbeitsplätze im Unternehmen verloren gehen können.
Das Crowdsourcing bewegt sich zwischen Innovation für den Kundenkontakt und Kundenfeedback und einem möglichen fahlen Beigeschmack, wenn das Engagement der KundInnen von Unternehmen ausgenutzt wird. In welche Richtung es sich schlussendlich entwickelt, wird erst in einigen Jahren ersichtlich sein. Beispiele wie Kickstarters oder respekt.net zeigen aber, was für Vorteile im Online Crowdsourcing stecken und was für Möglichkeiten die Interaktion mit der Online Community beinhaltet.



